Tacrolimus in der Transplantationsmedizin
Jens G. Brockmann
Tacrolimus (Prograf / FK 506) ist neben dem Cyclosporin eines der wichtigsten Basisimmunsuppressiva in der Organtransplantation. In Nordamerika, wie auch in den meisten europäischen Ländern, wird Tacrolimus mittlerweile aufgrund seiner höheren immunsuppressiven Potenz am häufigsten für die Initialtherapie nach erfolgter Organtransplantation verabreicht.
Tacrolimus ist ein 1984 entdecktes Makrolid, welches sich an ein T-Zell Verbindungsprotein bindet und somit die Bildung von Interleukin 2 (IL-2) und anderen Lymphokinen hemmt. Bezogen auf die verabreichte Menge hat Tacrolimus im Vergleich zum CyA, bei vergleichbarer Wirkungsweise, eine circa 10 bis 100fach höhere immunsuppressive Wirkung. Dies führt jedoch nicht zu einer höheren therapeutischen Breite des Medikamentes. Neben dem Einsatz in der Induktions- und Erhaltungstherapie wird Tacrolimus auch in der Abstoßungstherapie eingesetzt. Gegenüber CyA weist Tacrolimus eine bessere Wirkung bezüglich der Verhinderung akuter und chronischer Abstoßungen nach Leber- und Nierentransplantation auf. Studien für herztransplantierte Patienten sind nicht abgeschlossen, deuten aber auf ähnliche Zwischenergebnisse hin. Für knochenmark-
transplantierte Patienten fand sich unter der Therapie mit Tacrolimus eine signifikant geringere Inzidenz von Grad II-IV graft-versus-host Erkrankungen im Vergleich zu CyA therapierten Patienten. Empfänger von Lungenorganen mit Ausbildung einer obliterativen Bronchiolitis, führte die Konversion auf Tacrolimus zu einer Verminderung der Lungenfunktionsverschlechterung bzw. zu einer Verbesserung der Lungenfunktion (fev/1s).
Die Effektivität der Tacrolimus Immunsuppression für nieren- und lebertransplantierte Organempfänger blieb nach Ausschleichen der Cortisonmedikation bezüglich dem Auftreten von akuten Rejektionen mit einem Follow-up von 2 Jahren vergleichbar mit oder ohne Kortikosteroide.
Wie auch für das CyA richtet sich die Dosierung des Tacrolimus nach regelmäßigen Vollblutspiegelbestimmungen (Tal- / Nüchternspiegel) und dem transplantiertem Organ. Tacrolimus wird in der Regel zweimal täglich (morgens und abends) oral verabreicht. Bei Patienten unter voller parenteraler Ernährung kann die Induktion intravenös erfolgen, hierbei entspricht die Dosis circa einem fünftel bis zehntel der oral zu Verabreichenden und wird über 4h via Perfusor verabreicht.
Nebenwirkungen des Tacrolimus führen zu:
- Neurotoxizität (Tremor, Kopfschmerzen, Insomnie),
- Nephrotoxizität,
- arteriellerem Hypertonus,
- Juckreiz,
- gastrointestinalen Beschwerden (Diarrhoe, Völlegefühl),
- Anämie,
- Alopezie,
- und diabetogenen Effekten.
Jüngste Studien zeigen, dass für transplantierte Erwachsene und Kinder eine Tacrolimus basierte Immunsuppression eine zumindest vergleichbare Effektivität, wenn nicht gar eine bessere Effizienz im Sinne von Transplantat-, Patientenüberleben, Therapieversagen und der Inzidenz von akuten und kortisonrefraktären Abstoßungs-
episoden im Vergleich zu einer CyA Mikroemulsion basierten Therapie aufweist. Die Reduktion der Abstoßungsreaktionen bei nierentrans-
plantierten Patienten wies eine bessere Kosten-Nutzen Effektivität gegenüber einer CyA Therapie auf. Letztlich hängt jedoch eine optimalisierte immunsuppressive Therapie von der Balance der individuellen Immunsuppression von deren Tolerabilität, Effizienz, der Medikamenteninteraktion und nicht zuletzt von den ökonomischen Aspekten ab.
Autor/ Referent:
Dr. Jens G. Brockmann
Klinik und Poliklinik für Allgemeine Chirurgie
Universitätsklinikum Münster
Waldeyerstr. 1
48149 Münster
E-Mail: brockmj@uni-muenster.de
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