Aktueller Stand der Dünndarmtransplantation
Eigene Erfahrungen
Andrea R. Müller, Platz KP, Braun F, Pascher A, Fändrich F.

Die Dünndarmtransplantation ist weltweit bei weniger als 1000 Patienten durchgeführt worden. Sie bietet für Patienten mit Kurzdarmsyndrom oder interstinalem Versagen die Möglichkeit einer kurativen Therapie. Akute Abstoßungen und schwere Infektionen stellen jedoch ein hohes Letalitätsrisiko dar. Daher wird die Indikation zur Dünndarmtransplantation häufig spät gestellt, wenn bereits eine TPE (totale parenterale Ernährung)-assoziierte Leberzirrhose vorliegt.

Seit Juni 2000 wurden von mir in Berlin (n=10) und Kiel (n=4) 14 Patienten zwischen 26 und 58 Jahren (Median: 38 Jahre) dünndarmtransplantiert. Alle Patienten erhielten eine isolierte Dünndarmtransplantation aufgrund eines Kurzdarmsyndroms (Mesenterialinfarkt/-venenthrombose, Volvulus, Malrotation, Desmoidtumor+familiäre Poliposis, Morbus Crohn) mit Restdünndarmlängen von 0-30 cm. Spender und Empfänger wurden mit Lactobacillen und Immunonutrition behandelt und der Dünndarm innerhalb von 6 h transplantiert (2,5 - 6 h, Median: 4 h). Die Immunsuppression wurde als 4-Fachtherapie begonnen (Tacrolimus, Rapamycin, Prednisolon und ATG/Daclizumab als Induktionstherapie) und sukzessive unter Kontrolle von löslichen und zellulären Immunparametern reduziert. Protokollbiopsien wurden nach internationalen Kriterien ausgewertet.

10 von 14 Patienten (71%) überlebten (1 - 37, Median: 25 Monate). 4 Patienten verstarben an therapierefraktärer Abstoßung, Ischämierezidiv, Aspergillenpneumonie und intrakranieller Blutung 2 (n=3) und 10 Monate nach Transplantation. 4 von 14 Patienten (29%) entwickelten eine akute Abstoßung. Bei 3 Patienten war der Einsatz von OKT3 notwendig. 2 Patienten mit akuter Abstoßung nach 10 und 24 Monaten erholten sich unter deutlicher Erhöhung der Basisimmunsuppression und rezidivierender Steroidbolustherapie in Kombination mit Infliximab. Eine Patientin mit schwerer akuter Abstoßung innerhalb des ersten Monats überlebte nach Entfernung des Transplantates. Frühpostoperativ wurde bei 3 Patienten eine Peritonitis diagnostiziert (therapierefraktäre Abstoßung, Anastomoseninsuffizienz: n=2). Zweimal trat eine Pneumonie früh postoperativ auf, zweimal nach mehreren Monaten. Späte Pneunonien waren nicht bedrohlich, während frühpostoperativ eine zum Tode führte. Cytomegalie-Virus-Infektionen wurden bei 3 Patienten erfolgreich mit Ganciclovir therapiert. Ebstein-Barr-Virus-Reaktivierungen traten bei 4 Patienten auf. 8 Patienten sind voll rehabilitiert und arbeitsfähig, eine Patientin befindet sich noch in der Klinik bei gutem Allgemeinbefinden und guter Transplantatfunktion.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Dünndarmtransplantation erfolgreich durchgeführt werden kann. Das Patientenüberleben ist vergleichsweise gut, die Inzidenz von akuten Abstoßungen und schweren Infektionen vertretbar. Die Ergebnisse sind vergleichbar mit den internationalen und zeigen auch hier ein besseres Patientenüberleben als dies für die kombinierte Leber-Dünndarmtransplantation berichtet wird. Die Lebensqualität der Patienten nach Transplantation ist unvergleichlich besser als unter parenteraler Ernährung.

Autorin/ Referentin:
PD Dr. Andrea Raffaella Müller
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel
Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie
Arnold-Heller-Str. 7
24105 Kiel, Germany
Tel: 0431-597-4301
Fax: 0431-597-3435

Email: amueller@chirurgie-sh.de

  02.10.2003