Salutogenese und Rehabilitation
Astrid Fährmann
In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts stellte der israelische Medizinsoziologe Aaron Antonowsky eine bis heute zentrale Frage:
„Warum ist es möglich, dass einige Menschen auch unter schwerwiegenden Belastungen gesund bleiben, und andere nicht?“
Aaron Antonowsky kam auf den Begriff der Salutogenese, als er mit Überlebenden der Konzentrationslager arbeitete, die trotz dieses ungünstigen Lebensschicksals körperlich und psychisch gesund geblieben waren. Bis zu diesem Zeitpunkt war die dominierende Frage „Was macht krank?“. Mit Antonowsky begann ein Perspektivwechsel in den Gesundheitswissenschaften.
Dem Begriff der Pathogenese wurde die Salutogenese gegenübergestellt. Antonowskys Interesse galt weniger den Risikofaktoren, sondern den Schutzfaktoren, Ressourcen und Potentialen, die Menschen körperlich und psychisch gesund erhalten.
Jeder Mensch hat, solange er lebt, Ressourcen es liegt an uns sie zu mobilisieren. Je mehr der Mensch das Gefühl von eigener Kontrolle erlebt, umso weniger ist er gestresst.
Ein Mensch mit vielen Ressourcen hat mehr Möglichkeiten mit einem Problem umzugehen. Kontrolle muss nicht in der „Realität“ geschehen, sondern muss „gefühlt“ werden.
Der Mensch muss die Wahl haben. Schon eine minimale Beherrschung der eigenen Angelegenheiten kann genügen, um das Gefühl von Selbstbestimmtheit zu erleben. Am Beispiel der Atmung lässt sich dies gut demonstrieren. Über eine kontrollierte Atmung kann ein Mensch sich in Stresssituationen selbst zu mehr Ruhe steuern.
Antonowsky definierte drei Faktoren von Verhaltensweisen und Lebenshaltungen, die er mit dem Begriff „ Kohärenzgefühl“ zusammenfasst.
Die drei zentralen Komponenten des Kohärenzgefühls sind:
- Verstehbarkeit
- Handhabbarkeit
- Bedeutsamkeit
Man weiß heute, das die Grundsteine für die Bewältigungsstrategien in der Kindheit und Adoleszenz gelegt werden, und später Veränderungen schwer möglich sind. Vielleicht kann man das Kohärenzgefühl aber ein wenig erhöhen und sich so vor einer neuen Erkrankung schützen. Man muss dazu die Einstellung ändern und denken, dass man was aus dem Schicksal machen kann. Die Menschen sind ihm nicht hoffnungslos ausgeliefert.
Auf der Basis dieser Erkenntnisse wurde das Konzept der Rehabilitation von nierentransplantierten Menschen erstellt, das im Vortrag ausführlich vorgestellt wird.
Autor/Referentin:
Astrid Fährmann
Erzieherin, Krankenschwester, Fachkrankenschwester für Nephrologie, Kunsttherapeutin/ Kreativpädagogin
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