Betreuung eines Organspenders auf der Intensivstation
Karsten Klein
Einleitung:
Viele schwerstkranke Menschen, deren Lebensende greifbar nahe liegt und denen nur durch eine erforderliche Organtransplantation geholfen werden kann, leben in der ständigen Hoffnung auf ein Spenderorgan, welches die Funktion ihres erkrankten Organs übernimmt.
Hierin liegt für sie die einzigste Möglichkeit, ein weitgehend "normales" Leben zu führen.
Die Erfüllung der Hoffnung auf eine erfolgreiche Transplantation beginnt schon weit im voraus, nämlich auf der Intensivstation des Krankenhauses, in dem der Organspender betreut wird.Der erste Schritt auf dem Wege zu einer erfolgreichen Transplantation ist die bestmögliche intensivmedizinische und pflegerische Betreuung des Organspenders. Neben der intensivmedizinischen Behandlung trägt auch die fortgesetzte professionelle und adäquate intensiv-
therapeutische Pflege entscheidend zur Funktionstüchtigkeit der entnommenen bzw. gespendeten Organe bei.
Gerade weil Organspenden häufig nicht zur Routine gehören, stellt die Betreuung eines Organspenders in der Abteilung für Intensivmedizin hohe Anforderungen an alle Beteiligten, jedoch insbesondere an das Pflegepersonal, die den Patienten rund um die Uhr betreuen. Organspenden sind in jedem Krankenhaus mit Intensivbehandlungsstationen möglich und können auch in der Abteilung vorkommen, in der normalerweise die Nachbetreuung der transplantierten Patienten erfolgt.
Neben der Behandlung des Empfängers in den Transplantationszentren hat auch die Betreuung des Organspenders einen entscheidenden Anteil am Erfolg der durchgeführten Transplantation.
Problemstellung:
Ist der Hirntod eines Patienten nach den Richtlinien der Bundesärztekammer diagnostiziert und liegt eine Einwilligung zur Organspende vor, beginnt ein neuer Therapie- und Pflegeabschnitt in der Intensivstation, bevor es dann zur Organentnahme im OP- Saal kommt. Es vollzieht sich ein Wechsel von der zuvor durchgeführten zerebroprotektiven zu einer organerhaltenden Therapie. Die Behandlung hat nun den Funktionserhalt und die überprüfung der zur Transplantation vorgesehenen Organe zum Ziel. Die Intensivpflege bekommt somit eine neue Dimension. Die Betreuung aber auch die Behandlung und Überwachung von Organspendern stellt das Personal häufig vor ungewohnte Herausforderungen. Durch den Ausfall des zentralen Regulationsorgans Gehirn kommt es zu pathophysiologischen Veränderungen, die bei den Maßnahmen der Therapie und Pflege bis zur Entnahme der Organe beachtet werden müssen. Wichtig ist, dass auch das Intensivpflegepersonal über die spezifischen Veränderungen informiert ist. Nur so können sie entsprechend reagieren und organschädigende Komplikationen vermeiden.
Gerade die besondere Situation der Pflege eines bereits Verstorbenen kann auch psychische Belastungen mit sich bringen, insbesondere dann, wenn der eingetretene Hirntod als Niederlage oder Therapieversagen angesehen wird oder aber auch dann, wenn der Patient schon über lange Zeit in der Abteilung gepflegt und behandelt wurde und die Pflegenden eine engere Beziehung zu Patient und Angehörigen aufgebaut haben. Das Umdenken und Umlenken in der Therapie, nämlich dass alle Maßnahmen nun dem Organerhalt und somit den unbekannten schwerkranken Organempfängern dienen, ist oft schwierig nachzuvollziehen. Ähnlich wie auch Angehörige, haben mitunter auch Intensivpflegekräfte das Problem die Diagnose Hirntod zu verstehen und zu akzeptieren.
Auch kann es bei gleichzeitiger Betreuung anderer Patienten evtl. zu Gewissenskonflikten kommen. Aufgrund der Maßnahmenfülle kann der Eindruck entstehen, andere Patienten, die eine Chance auf Genesung haben, nicht ausreichend versorgen zu können.
Lösungsvorschläge:
Bei der Behandlung und Betreuung eines Organspenders handelt es sich häufig nicht um eine Routinesituation.
Der Vortrag soll die besonderen pathophysiologischen Veränderungen im Hirntod erläutern und eine Leitlinie in der Betreuung des Organspenders darstellen. Besondere Beachtung finden folgende Aspekte:
- Behandlung und Überwachung von Organspendern
(Pathosphysiologische Veränderungen und deren Behandlung, Aufrechterhaltung der Homöostase, Flüssigkeitsbilanzierung, Beatmungstherapie)
- Untersuchungen der Organfunktionen zur Beurteilung der Transplantabilität
- besondere pflegerische Aspekte
(Corneapflege, Bronchialtoilette, Lagerung, Hypothermie, Transport in den OP)
Weiterhin kurz thematisiert wird ebenso der Umgang mit der Organspendesituation und die Betreuung der Angehörigen.
Entscheidend für den Transplantationserfolg beim Empfänger ist die optimale Funktion des Organs im Spender zum Zeitpunkt der Organentnahme. Ein entscheidender Faktor zur Erfüllung dieser Voraussetzung ist die frühzeitig eingeleitete optimale Betreuung des Organspenders aus intensivmedizinischer, jedoch auch insbesondere intensivpflegerischer Sicht, wodurch die Funktionstüchtigkeit bzw. Qualität des Spendeorgans optimiert bzw. häufig auch verbessert werden kann. Die Spendertherapie ist somit die vorgezogene Therapie des Organempfängers.
Zusammenfassung:
Das Personal der Intensivstationen hat, wie alle anderen Beteiligten am Spendeprozess auch, einen entscheidenden Anteil an der Gemeinschaftsaufgabe Organspende und dem Transplantationserfolg. Hierzu trägt neben der hochqualifizierten intensivmedizinischen Betreuung auch der professionelle und würdevolle Umgang mit den Organspendern und ihren Angehörigen bei. Hierdurch wird die Entscheidung zur Organspende und die darin ausgedrückte Menschlichkeit und Solidarität mit kranken Menschen, die einer Transplantation bedürfen, wertgeschätzt. Ebenso trägt dieser Umgang dazu bei, dass die Angehörigen die Entscheidung zur Organspende als positives Moment in ihrem Trauerprozess erleben dürfen.
Autor/Referent:
Karsten Klein
Fachkrankenpfleger für Intensivpflege,
Koordinator in der Organspende
Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) Region Mitte
Ltd. Arzt: Priv.- Doz. Dr. Dietmar Mauer
Organisationszentrale Mainz
Adam- Karrillon -Str. 23
Tel.: 06131/627369, Fax 06131/6273679
E-Mail: Karsten.Klein@dso.de
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