Dünndarmtransplantation (DDTX) 
Jessika Warnk, Heike Höch  

Evaluation stationäre präoperative Op-Vorbereitung postoperative Pflege auf der peripheren Station. Weltweit wurden bisher ca. 800 Dünndarmtransplantationen durchgeführt. Die erste erfolgreiche Dünndarmtransplantation in Kiel gelang 1988 Prof. Eberhard Deltz. Seit dem Frühjahr 2003 gibt es auch in Kiel wieder Dünndarmtransplantationen, die von Frau Prof. Müller durchgeführt werden. 

Die DDTX wird notwendig durch: z.B.

  • das Kurzdarmsyndrom bei Morbus Crohn - den Mesenterialinfarkt / bzw. Venenthrombose 
  • traumatische Ursachen 
  • Volvolus 

Um nur einige zu nennen. 

Bei irreversiblem Verlust der Darmfunktion ist die Therapie der Wahl die parenterale Ernährung, die eine starke Einschränkung der Lebensqualität und einige Komplikationen zur Folge hat. Bei Zunahme dieser Komplikationen sollte die Evaluierung zur DDTX erfolgen. 

Zur Evaluierung gehören folgende Untersuchungen: 

  • die Funktion und Anatomie des Dünndarms 
  • der körperliche Allgemeinzustand 
  • das Ausmaß der Erkrankung 
  • das Operationsrisiko 

Hierzu werden die Patienten 10 – 14 Tage stationär aufgenommen. Bei positivem Befund erfolgt dann die Meldung an Eurotransplant. Bereits jetzt werden die OP-Einwilligung und die Anästhesieaufklärung mit dem Patienten besprochen. 

Auf Grund von langen Wartezeiten versterben die Patienten häufig, bevor ein Spenderorgan gefunden wurde.  Der Spender muss strenge Kriterien erfüllen: nicht älter als 50, BMI kleiner 25, Crossmatch negativ und einiges mehr. 

Wurde ein geeignetes Spenderorgan gefunden, wird der Patient einbestellt und nach einem festen Schema auf die Operation vorbereitet. Kommt die Rückmeldung, dass das Spenderorgan transplantabel ist, wird der Patient sofort in den Op gebracht und anschließend, zur engmaschigen Überwachung auf die Intensivstation.  Ist der Zustand des Patienten stabil, erfolgt die Verlegung auf die Normalstation, wo der Patient beobachtet und aufgebaut wird.  Die Überwachung des Transplantates erfolgt insbesondere über wiederholte Endoskopien des Spenderdünndarms über den künstlichen Darmausgang ( Anfangs 2x/Woche, später1x/Woche). Hauptsächlich durch die Biopsie kann man rechtzeitig eine beginnende Abstoßung erkennen. Bei unauffälligem Befund kann der künstliche Darmausgang nach 6 Monaten zurückverlegt werden, wenn ausreichend Dickdarm vorhanden ist. 

Besonders wichtig ist die Überwachung des Patienten. Dazu gehören: 

Regelmäßige Laborkontrollen mit Immunstatus, die venöse BGA Gewichtskontrolle, Bilanzierung, Vitalzeichenkontrolle, eine beginnende Abstoßung, eine Infektion oder auch eine Verschiebung im Säure-Basen Haushalt wird dadurch schneller sichtbar und es kann dagegen gesteuert werden. 

Auch die Wundkontrolle und die Pflege des künstlichen Darmausganges. Hierzu gibt es von verschiedenen Firmen gute Hilfemittel. Besonders geeignet sind am Anfang zweiteilige Systeme mit einer Entleerungsvorrichtung. Außerdem sollte 2-3x/Tag das Stoma angesehen werden. Ein Wechsel der Platten sollte alle 2-3 Tage, der Beutel jeden Tag erfolgen. Dabei ist auf gute Hautpflege und eine gute Durchblutung des Stomas zu achten. 

Ebenfalls zur Überwachung gehört ein kontrollierter Kostaufbau. Dieser beginnt bereits direkt nach der Operation über eine Trilumensonde und wird vorsichtig auf normale Kost umgestellt. Dadurch wird ein aufsteigen von Bakterien aus dem Dickdarm unterdrückt und das Abstoßungsrisiko vermindert. Durch die Gabe von Lactobacillen wird der neue Darm in seiner Funktion unterstützt. Flüssigkeits- und Eiweißverluste über den transplantierten Darm müssen frühzeitig ausgeglichen werden, wobei eine Überwässerung zu vermeiden ist. 

Da im Dünndarm eine sehr hohe Anzahl an Lymphozyten vorhanden ist, bekommen die Patienten zur Vermeidung einer Transplantatabstoßung ab dem Zeitpunkt der Transplantation hoch dosiert Immunsuppressiva. Dazu gehören Prograf ( TAC) und Rapamycin (Serolimus). Am Anfang wird der Prografspiegel täglich bestimmt und die mg Menge danach eingestellt. Der Rapamycinspiegel wird 2x die Woche bestimmt. Wichtig ist, das die Einnahmezeit immer gleich ist, z.B. morgens 8.00 und abends 20.00 Uhr. 

Natürlich gibt es durch die Immunsuppressiva und die vielen Medikamente auch Folgeschäden, wie erhöhtes Krebsrisiko, Infektionen, Nierenfunktionsstörungen und vieles mehr wogegen man ankämpfen muss. 

Ein Patient sagte kürzlich: "Das ist alles halb so schlimm. Das was ich vor der Transplantation hatte war kein Leben mehr und ohne die Transplantation würde ich nicht mehr leben."

  21.10.2004