Neuentwicklungen in der Immunsuppression
PD.Dr.med. Wolfgang Arns

Das immunsuppressive Regime zur Vermeidung von Transplantatabstoßungen besteht üblicherweise aus einer Kombination eines Calcineurininhibitors, Begleitimmunsuppressivum und Steroiden. Im Bereich der Begleitimmunsuppressiva gab es in 2004 zwei Neueinführungen: EC-MPS (myfortic®) und Everolimus (Certican®). Auf diese soll hier näher eingegangen werden.

EC-MPS (enteric coated – mycophenolate sodium) ist ein DNA-Synthesehemmer und verhindert insbesondere die Vermehrung der T- und B-Lymphozyten. Es ist angezeigt zur Prophylaxe der akuten Transplantatabstoßung nach Nierentransplantation. EC-MPS enthält den Wirkstoff Mycophenolsäure als Natriumsalz, die Tabletten in den Wirkstärken 180 und 360 mg sind magensaftresistent verkapselt. Die Standarddosis beträgt 1440 mg / Tag.

Es wurden zwei multizentrische, doppelblinde Pivotalstudien durchgeführt. Bei der einen erhielten 423 de novo Nierentransplantationspatienten entweder EC-MPS oder MMF in Kombination mit Ciclosporin Mikroemulsion (Sandimmun Optoral) über 12 Monate. Sowohl bei der Wirksamkeit als auch bei der Verträglichkeit konnte die Äquivalenz von myfortic gegenüber MMF nachgewiesen werden. Bei EC-MPS gab es einen Trend zu weniger Dosisreduktionen. Bei der zweiten Studie wurden stabile nierentransplantierte Patienten untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass Patienten sicher von MMF auf EC-MPS umgestellt werden können. In der EC-MPS Gruppe traten tendenziell weniger schwere Nebenwirkungen auf. Außerdem war der Anstieg des Schweregrades von gastrointestinalen Nebenwirkungen tendenziell geringer.

Everolimus ist ein Proliferationsinhibitor, der außer seiner immunsuppressiver Eigenschaften auch einer Vaskulopathie entgegenwirken kann. Everolimus ist für die Nieren- und Herztransplantation zugelassen und als Tabletten zu 0,25mg, 0,5mg 0,75mg  sowie lösliche Tabletten zu 0,1mg und 0,25mg erhältlich. -

Everolimus zeigt bei herztransplantierten Patienten eine Verringerung der Rate akuter Abstoßungen sowie eine Verminderung des Intimadickenwachstums und der Transplantatvaskulopathie. In einer großen Multicenterstudie wurde Everolimus 1,5mg, bzw. 3,0mg täglich im Vergleich zu Azathioprin in Kombination mit Ciclosporin untersucht. Neben einer besseren Wirksamkeit war auch die Intimaverdickung der Koronargefäße unter Everolimus signifikant geringer und Vaskulopathien traten seltener auf.

Bei de novo Nierentransplantierten ist Everolimus in der Kombination mit Ciclosporin Mikroemulsion genauso wirksam wie MMF. Everolimus bietet zusätzlich die Möglichkeit, die Ciclosporindosis zu reduzieren.

OA PD.Dr.med. Wolfgang Arns

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  21.10.2004