Computergestützte Patientenschulung für Nierentransplantierte
Christiane Kugler, MScN

Patientenschulung dient der Erhöhung krankheits- und behandlungsbezogenen Wissens und schafft somit die notwendigen Voraussetzungen für Patienten und Angehörige, Selbstverantwortlichkeit im Zusammenhang mit der Transplantation wahrzunehmen. Die Vermittlung patientenbezogenen Wissens fördert die Motivation zu nachhaltiger Verhaltensänderung, verbessert die Compliance und führt somit zu einem besseren Transplantationserfolg im Langzeitverlauf. Computergestützte Patientenschulung erfolgt wertneutral und bedürfnisadaptiert, trotz zunehmend reduzierter personeller und zeitlicher Ressourcen. OTIS ist ein interaktives, computergestütztes Organ- Transplantations- Informations- System, welches patientengerechte Informationen für chronisch niereninsuffiziente Patienten vor und nach Transplantation zur Verfügung stellt. Ziel dieses Systems ist es, auf zeiteffiziente und wertneutrale Weise dem Patienten relevantes Wissen zur Transplantation, sowie den notwendigen Medikamenten zu vermitteln, ihn hinsichtlich seiner Körperwahrnehmung zu sensibilisieren, und seine Selbstpflegekompetenzen bezüglich der notwendigen Maßnahmen der Prophylaxe und Prävention zu erhöhen.

In einem ersten klinischen Testlauf wurden 18 Patienten und deren Angehörige während der Ambulanztermine zur Nachsorge nach Nierentransplantation mit dem System vertraut gemacht. Das Alter der Patienten lag zwischen 19 und 69 Jahren, 10 Patienten waren männlich. Der Zeitraum der Transplantation variierte zwischen 10 Wochen bis 19 Jahren. Die Patienten konnten zwischen zwei Modulen je nach Interessenlage wählen, das maximale Zeitfenster für die Schulung betrug eine Zeitstunde. Die Nutzung des Schulungsprogramms kann für die Patienten selbständig und in geschützter Atmosphäre erfolgen. Der Lernerfolg der absolvierten Module wird durch eine Editor – Funktion beurteilbar und dient gleichzeitig der Dokumentation. Die Evaluation des Schulungserfolgs aus Sicht der Patienten wurde mit Hilfe eines Fragebogens erfasst. Alle Patienten beurteilten die Inhalte als patientengerecht und gut verständlich. Graphiken, Cartoons, interaktive Spiele und Quize unterstützen das Verstehen. Die Handhabung des Systems erfolgt auch problemlos für ältere Patienten,  und solche, die über keinerlei PC – Kenntnisse verfügen. Während Patienten unmittelbar nach Transplantation das System als Wissensquelle für neues Detailwissen ansahen, nutzten länger transplantierte Patienten das Schulungsprogramm mehr zur Überprüfung und Aktualisierung vorhandenen Wissens.

Computergestützte, interaktive Patientenschulung spricht die Patienten in ihren Bedürfnissen an, ohne zu überfordern. Die Patienten bestimmen ihr eigenes Lerntempo ohne sich  Erfolgsdruck ausgesetzt zu fühlen. Sie dient als ergänzendes Element der persönlichen Beratung. Durch Evaluation und Dokumentation der absolvierten Lerninhalte kann der Transplantationserfolg im Langzeitverlauf, sowie die Qualität der Versorgung insgesamt verbessert werden. Nachdem erste Erfahrungen mit OTIS vorliegen, ist eine Ausweitung des Programms auf andere Organe geplant.

Christiane Kugler, MScN

Medizinische Hochschule Hannover
Thorax-, Herz-, Gefäßchirurgie
HTx - Ambulanz
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  21.10.2004