Determinanten von Noncompliance und Compliance verbessernde Interventionen zur Verlängerung des Langzeitüberlebens nach Organtransplantation
Kris Denhaerynck, MNS, Petra Schäfer-Keller, MNS,
Sabina De Geest, PhD, RN
Einführung: Erfolgreiche Langzeitergebnisse nach Organtransplantation hängen u.a. von der genauen und zuverlässigen Einnahme der immunsuppressiven Medikamente ab. Empirische Untersuchungen zeigen, dass bereits minimale Abweichungen vom verordneten Dosierungsfahrplan zu negativen Ergebnissen wie akute Abstossung und Transplantatverlust führen können. Um das Langzeitüberleben nach Organtransplantation zu verlängern ist es einerseits äusserst wichtig, PatientInnenprofile zu entwickeln, damit RisikopatientInnen erfasst werden können. Andererseits müssen Interventionen zur Verbesserung von Compliance entwickelt und implementiert werden. Risikoprofile sollen aufgrund von bestehender Evidenz bezüglich Determinanten von Noncompliance erstellt werden. Compliance fördernde Interventionen sollen auf Evidenz bezüglich der veränderbaren Determinanten sowie auf Ergebnissen von experimentellen, die Wirksamkeit von Interventionen überprüfenden Studien basieren.
Determinanten von Noncompliance: Entsprechend der aktuellen WHO Klassifikation können Determinanten von Noncompliance zur immunsuppressiven Therapie bei PatientInnen nach Organtransplantation in 5 Gruppen eingeteilt werden: (1) Sozioökonomische Faktoren wie z.B. jüngeres Alter / Adoleszenz, fehlende soziale Unterstützung, tiefer Bildungsstand, finanzielle Probleme; (2) PatientInnenbedingte Faktoren wie z.B. frühere Noncompliance, nicht Einhalten von Terminen, Mangel an Kenntnissen über die Therapie, geringe Selbstwirksamkeit mit der Medikamenteneinnahme; (3) Therapiebedingte Faktoren wie z.B. komplexe und langfristige Medikamententherapie, Art des Transplantats, störende Symptome, die den immunsuppressiven Medikamenten zugeordnet werden, Nichtgebrauch von Hilfsmitteln; (4) Konditionsbedingte Faktoren wie z.B. Drogenkonsum/schädlicher Alkoholgebrauch, psychiatrische Erkrankung, kognitive Beeinträchtigung; (5) Gesundheitssystem- und -anbieterbedingte Faktoren wie z.B. Kommunikationsstil, didaktische Fertigkeiten, fehlende Kontinuität in der Betreuung, fehlender Zugang zu Gesundheitsdiensten, lange Wartezeiten.
Compliance Interventionen: Der effektivste Ansatz, um Noncompliance zu verbessern, beruht auf mehrfaktoriellen Interventionen. Compliance Interventionen müssen kombiniert werden und können in drei Gruppen unterteilt werden: (1) Strategien zu Beginn einer medikamentösen Therapie sollen Schulung, verhaltensorientierte Massnahmen (z.B. eigenständiges Medikamentenmanagement während der Hospitalisation) und Unterstützung aus dem sozialen Umfeld kombinieren, um PatientInnen auf das Leben nach Transplantation vorzubereiten. (2) Interventionen für das Aufrechterhalten von Compliance sollen Kontinuität in der Betreuung, Monitoring der Compliance und Erkennen von Risikofaktoren während der lebenslänglichen Nachbetreuung umfassen. (3) Complianceprobleme können durch Ursachenidentifikation und Durchführung von passenden Interventionen korrigiert werden.
Unsere Forschungsgruppe führte kürzlich eine randomisierte kontrollierte Pilotstudie durch, um Noncompliance mit immunsuppressiven Medikamenten bei PatientInnen mit Nierentransplantation zu verbessern. Diese Studie schloss 18 noncompliant PatientInnen ein (21.4% w. Alter 45.6±1.2 J.), deren Medikamenteneinnahme zuvor während 3 Monaten elektronisch gemessen wurde. Die StudienteilnehmerInnen wurden zufällig der Interventionsgruppe (n=12) oder der Kontrollgruppe (n=6) zugeteilt. Die Medikamenteneinnahme wurde sowohl während der 3-monatigen Interventionsperiode als auch während weiteren 6 Monaten elektronisch gemessen. Die PatientInnen in der Kontrollgruppe erhielten die übliche Betreuung, ihr behandelnder Arzt wurde über die gemessene Noncompliance, sowie über vorhandene Depressivität und Suizidgedanken informiert. PatientInnen in der Interventionsgruppe erhielten darüber hinaus einen Hausbesuch einer Pflegenden und wurden während der Interventionsperiode monatlich angerufen. Die Pflegende gebrauchte Schulung, Verhaltensinterventionen und förderte die Unterstützung aus dem sozialen Umfeld. Monatliche Ausdrücke mit Ergebnissen der elektronisch erfassten Medikamenteneinnahme erlaubten individuelle Rückmeldungen über den Verlauf der Medikamenteneinnahme. Die statistische Auswertung am Ende der Interventionsperiode zeigte eine 36% niedrigere Chance für Noncompliance für die Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe (p=.084). Die Ergebnisse dieser Pilotstudie weisen darauf hin, dass Noncompliance mit immunsuppressiven Medikamenten verbessert werden kann.
Kris Denhaerynck, MNS, Petra Schäfer-Keller, MNS,
Sabina De Geest, PhD, RN
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