CMV-Infektionen nach NTx Therapie/ Prophylaxe
Prof. Dr. med. P. Reinke; Charite`Berlin

Das Cytomegalievirus spielt in allen Transplantationsbereichen - Nieren-, Leber-, Herz-, Lungen-, Pankreas- und Knochenmarktrans-
plantation - eine große Rolle.

Wir erwerben die Infektion im frühen Kindesalter und das Virus persistiert lebenslang in Zellen des Organismus. Dies sind z.B. Knochenmarkvorläuferzellen oder Alveolarmakrophagen. Über Ereignisse wie Stress, systemische Entzündung oder die Gabe bestimmter Medikamente wird das Virus reaktiviert und kann, wenn keine effiziente Kontrolle der Virusausbreitung durch das Immunsystem erfolgt, Krankheit vermitteln. Das klinische Krankheitsbild kann dabei sehr variabel, sowohl hinsichtlich der Schwere der Erkrankung als auch der Organmanifestation, sein. Bekannt sind die Verminderung der Leukozyten und Thrombozyten, was ungefähr bei 30 % der erkrankten Patienten passager beobachtet wird, akute Funktionsverschlechterungen der Transplantate oder Entzündungen verschiedener Organe wie Leber, Darm oder Lunge. Außerdem schwächt das Virus das Immunsystem, so dass häufig im Gefolge schwere bakterielle Infektionen auftreten können. Das Risiko eine CMV-Erkrankung zu bekommen ist sehr hoch, wenn der Patient seinen Erstkontakt mit dem Virus unter den Bedingungen hoher Immunsuppression hat.

Die CMV-Reaktivierung/ - erkrankung wird über virologische Teste nachgewiesen, wobei Virusproteine oder Virus-DNA detektiert wird. Die Teste sind hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit nicht vergleichbar, nicht standardisiert und liefern klinisch unterschiedliche Aussagen. Meist korreliert eine hohe Viruslast mit einem schweren klinischen Erkrankungsbild, wobei dies auch wesentlich durch die Fähigkeit des Immunsystems die Ausbreitung des Virus effektiv unterdrücken zu können, bestimmt wird. Hier ist von ganz besonderer Bedeutung eine effektive T-Zell-Kontrolle durch CMV-spezifische T-Zellen.

Patienten mit einer CMV-Erkrankung müssen mit virustatischen Medikamenten behandelt werden. Das derzeit effektivste Medikament ist das i.v. Gancyclovir. Das oral verfügbare Valgancyclovir ist auf Grund sehr guter Bioverfügbarkeit in vielen Fällen gleich wirksam und bietet die Möglichkeit die Dauer der stationären Behandlung zu verkürzen. Wichtig ist bei der Therapie zu beachten, dass diese Substanzklasse toxische Effekte hat, wobei meist besonders das Knochenmark betroffen ist. Um das CMV-Erkrankungsrisiko zu vermindern, kann man Patienten mit einem besonders hohen Risiko prophylaktisch mit einem Virustatikum über einen längeren Zeitraum behandeln oder die Patienten in kurzen Abständen mit virologischen Testen untersuchen und bei positivem Ergebnis mit der Behandlung beginnen, sogenannte preemptive Therapie. Beide Konzepte haben ihre Vor- und Nachteile. Hier stehen Nebenwirkungsprofile, Resistenzentwicklung, Medikamentenkosten dem Aufwand eines engmaschigen Virusmonitoring gegenüber. Außerdem ist in vielen Studien gezeigt worden, dass die CMV-Erkrankung mit einer höheren Frequenz der Entwicklung von Begleiterkrankungen und von Sterblichkeit bei den betroffenen Patienten assoziiert ist. Im Fall sehr schwerer lebensbedrohlicher Erkrankung kann es im Einzelfall sinnvoll sein, ein CMV-Hyperimmunglobulin zusätzlich zur virustatischen Therapie zu geben.

  12.10.2005