Erstellung und Einführung eines Merkblattes für Patienten nach einer Nierentransplantation
Karin Rossmann; Krankenhaus Göppingen
Transplantation, ein uralter Traum dieser Traum konnte erst realisiert werden, als die Abstoßungsreaktion als solche erkannt war.
- 1958 wurde das HLA-System entdeckt und 1962 das Gewebe von Spender und Empfänger erstmals typisiert.
- 1954 erfolgte die ersteTransplantation einer Niere zwischen eineiigen Zwillingen
- 1963 die erste Leber , die erste Lunge
- 1965 die erste Bauchspeicheldrüse
- 1967 das erste Herz
Zur Immunsuppression wurde bereits vor 1960 Kortison und Azathioprin eingesetzt. Eine weitere Strategie für bessere Ergebnisse bestand darin, Spender und Empfänger mit möglichst ähnlichen Gewebeeigenschaften zu finden, um die Abwehrreaktionen möglichst gering zu halten. Es wurde unter anderem Eurotransplant gegründet, welche die Vermittlung von Spenderorganen an passende Empfänger vornimmt. Da der Bedarf an Organen bei weitem die Zahl an Spenderorganen übersteigt, gibt es eine lange Warteliste für die Organempfänger. Erhält ein Patient ein Organ, ist es wichtig dieses > Ersatzteil< so lange wie möglich funktionsfähig zu erhalten. Der Organempfänger hat nun die Mitverantwortung für das Erhalten der Funktionsfähigkeit vieles zu tun und manches zu lassen.
Durch die transplantierende Klinik erhält der Patient bereits bei der Anmeldung zur Transplantation viele und ausführliche Informationen.
Warum jetzt noch mehr Informationen? Mein Anliegen ist es in übersichtlicher, schnell lesbarer Form, Informationen für die Zeit nach dem akuten Geschehen Transplantation zusammenzustellen und weiterzugeben.
Eine weitere Möglichkeit für den Einsatz des Merkblattes ist die Weitergabe an Pflegekräfte im stationären und ambulanten Pflegebereich, um ihnen, die nicht ständig mit transplantierten Menschen im Kontakt sind, eine erste Information an die Hand zu geben. Erfolgt diese Informationsweitergabe aus einer Hand z.B. durch die nephrologische Transplantationssprechstunde, ist ein großer Schritt in die Richtung gleiche Information getan.
Unterschiedliche, vor allem wiedersprüchliche Informationen sorgen bei allen Beteiligten für Verunsicherung! Um den tatsächlichen Bedarf an Informationen für allgemeine Pflegekräfte zu erfahren wurde ein Fragebogen auf zwei nephrologische, eine allg. internistische und zwei intensivpflegerische Gruppen mit der Bitte um Bearbeitung gegeben.
Die Fragen konnten mit ja oder nein beantwortet werden, es sollte kein spezielles Wissen abgefragt werden und es gab Platz für zusätzliche Informationswünsche. Die Auswertung der Fragebogen zeigte, dass
- ein Merkblatt erste Informationen bietet und ein strukturiertes Gespräch mit dem Patienten ermöglicht, wie er mit dem Thema umgeht und was bei ihm speziell beachtet werden muss.
- die Fragen der Pflegekräfte, die im Zusammenhang mit der Betreuung nierentransplantierter Patienten auftreten, mit dem Merkblatt beantwortet werden können.
- es für weitergehende Erläuterungen bzw. die Beantwortung spezieller Fragen nichtausreichend ist und eine ausführlichere Darstellung der Themen Abhilfe schaffen könnte.
- es in der Ausbildung der Gesundheits- und KrankenpflegeschülerInnen im praktischen Ausbildungsteil zur Anleitung eingesetzt werden kann.
- Rückfragen beim behandelnden Arzt/TPX-Zentrum durch die im Merkblatt genannten Adressen fast ohne Umwege möglich ist.
Da Aussagen zu Behandlungsstrategien zur ärztlichen Information gehören, erfolgte die Abstimmung mit dem ärztlichen Leiter der nephrologischen Ableilung der Medizinischen Klinik I der Klinik am Eichert, Chefarzt Dr. K.-D. Hanel, bereits in der Entstehungsphase des Merkblattes. Zur Bearbeitung des Themas konnte ich auf eine Fülle an Informationen zurückgreifen.
Die Aufgabe bestand darin, diese vielen Informationen zu sichten, die für das Merkblatt wichtigen zusammenzufassen und in die entsprechnde Form zu bringen. Die äußere Form des Merkblattes war vorgegeben, nachdem klar war, dass es in Anlehnung an ein bereits vorhandenes Merkblatt Shunt gestaltet werden sollte:
- DIN A 4 -quer dreispaltig auf der Vorder- und Rückseite
- gut lesbare Schrift
- ansprechende Farbe
Einführung konkret:
- Patienten
Das Merkblatt wird in der Transplantationssprechtunde vom Arzt weitergegeben.
- Pflegepersonal, stationär
nachdem das Merkblatt in der Pflegedirektion vorgestellt ist, wird es an die entsprechenden Pflegegruppen weitergegeben. Eine Veröffentlichung im Intranet ist geplant, eine ausführliche Darstellung ist in Vorbereitung.
- Pflegepesonal, ambulant
die Weitergabe erfolgt auf Nachfrage, bzw. wird dem Patienten mitgegeben mit der Bitte es an den ambulanten Pflegedienst weiterzuleiten.
- Zusammenfassung und Ausblick
Patienten
Das Patientenmerkblatt ist erstellt und an die betroffenen Patienten weitergegeben. Durch die Gliederung des Merkblattes in die vier Bereiche
- Was muß ich tun?
- Was darf ich tun?
- Was soll ich lassen?
- Was gehört auch noch dazu?
ist eine Struktur vorgegeben, in der der Patient wichtige Bereiche seines Alltages nach einer Nierentransplantation wiederfindet. Es ist sichergestellt, dass die wichtigsten Informationen weitergegeben sind. Bislang eher situativ zusammengestellte Informationen sind strukturiert und gebündelt und können so gut "mitgegeben" werden. Wie Patienten und deren Angehörige mit dem Merkblatt tatsächlich umgehen und ob sie es nutzen können, wird zu einem späteren Zeitpunkt geprüft.
Pflegekräfte
Der Einsatz des Merkblattes als Hilfestellung für Pflegekräfte ist gut möglich. Sie erfahren eine Unterstützung im Berufsalltag und können sich Informationen beschaffen, die sie in der allgemeinen Pflegeliteratur nicht so schnell finden. Der Wissenszuwachs macht sicherer im Umgang mit den Patienten, die in der Regel Coach ihrer eigenen Erkrankung und dem Umgang damit sind.
Die Anleitung von SchülerInnen der Gesundheits- und Krankenpflegeberufe/ Altenpflege
erfährt eine Erleichterung, da mit Hilfe des Merkblattes die wesentlichen Inhalte der Betreuung von Patienten nach einer Nierentransplantation aufgezeigt sind.
Als Nebenprodukt ist eine ausführliche Darstellung dieser Thematik entstanden, die nach Abstimmung mit den Ärzten, den Pflegekräften zur Verfügung steht.
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