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Die unterschätzte Gefahr? Falldarstellung einer Tollwutinfektion durch Organtransplantation
Britta Meeder, Paula Weishäupl-Karstens; Medizinische Hochschule Hannover
Anfang Januar 2005 wurden Organe einer mit Tollwut infizierten Frau an sechs Organempfänger vermittelt. Drei Empfänger erkrankten in der Folgezeit und verstarben. Rabies(Tollwut) ist eine virale Erkrankung, die bei Ausbruch meist letal verläuft. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt üblicherweise durch den Biss eines infizierten Tieres (z.b.Hund,Fuchs, Fledermaus). Zwischen Exposition und Infektion liegen in der Regel 3-12 Wochen.
Die Übertragung von Mensch zu Mensch gilt, mit Ausnahme der Organtransplantation, bisher nicht als gesichert. Weltweit ist dies der zweite Fall einer Tollwutübertragung durch Organtranplantation. 2004 starben in den USA ebenfalls drei Empfänger nach Multiorganentnahme. Falldarstellung:
- 1988 HLTX bei Eisenmenger-Syndrom in Großbritannien.
- August 04 Listung der Pat. Zur Re-DLTX bei Bronchiolitis obliterans.
- September 04 stationäre Aufnahme zur HU-Evaluation.
- 01.01.05 Re-DLTX ohne HLM
- 04.01.05 Extubation, Pat ist unter 3 Litern Sauerstoffgabe respiratorisch stabil.
- 07.01.05 Reintubation bei respiratorischer Dekompensation, Punktionstracheotomie. Krampfanfall, EEG und CT unauffällig.
- 19.01.05 Isolation (Nachweis VRE+ Norwalk-Virus)
- 23.01.05 Pat. wird neurologisch auffällig (Motorik, Wachheitszustand), Abstoßungsbehandlung nach CT-Thorax-Befund.
- Anfang Februar Häufung der unspezifischen neurologischen Symptome, Verdacht auf Enzephalitis
- 03.02.05 Pathologisches Gutachten des Spenderhirns liegt vor: Enzephalitis unklarer Genese, Beginn umfangreicher weiterführenden Diagnostik.
- 13.02.05 Unter CPAP-Beatmung: respiratorische und metabolische Entgleisung mit Kreislaufinstabilität und Eintrübung der Patientin. Daraufhin Sedierung, kontrollierte Beatmung, Hämodialyse.
- 14.02.05 EEG und MRT, danach Absetzen der Sedierung zur neurologischen Abklärung. Pat. zeigt Schlundkrämpfe und massiven Speichelfluss.
- DSO : Spezifischer Verdacht einer Rabiesinfektion der Spenderin, weitere Diagnostik
- 15.02.05 Simultanimpfung der Patientin gegen Tollwut Pat. Ist weiterhin kontrolliert beatmet, katecholamin- und dialysepflichtig und zeigt ein septisches Kreislaufbild.
- 18.02.05 Bradycardien bis 30F/min erfordern eine Schrittmachertherapie. Erneute passive Impfung+ Interferon- und Ribaviringabe.
- 19.02.05 zunehmend weite Pupillen mit träger Lichtreaktion, gegen 17.00 Uhr Kreislaufeinbruch mit weiten lichtstarren Pupillen, Exitus der Patientin.
In der Medizinischen Hochschule Hannover startet bei Bestätigung der Tollwutinfektion eine umfangreiche Beratung und Immunisierung von möglichen Kontaktpersonen der Patientin. Insgesamt wurden ca. 120 Kontaktpersonen geimpft, ca. ein Drittel der geimpften Personen litten an Nebenwirkungen der Immunisierung.
Der Fall löst ein großes Medieninteresse aus. Von einzelnen Pressevertretern wird versucht auf inoffiziellem Wege an vertrauliche Informationen zu gelangen.
Abschließend bleibt zu sagen, das eine Übertragung einer Infektion durch das Transplantat nie vollständig auszuschließen ist. Sicherlich hat dieser Fall zu einer kritischeren Betrachtung und Evaluation potentieller Spender beigetragen.
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