Befragung zur Infektionsprophylaxe nach Organtransplantation in den Transplantationszentren Deutschlands im Juli / August 2005

Antje Stöver

Einleitung
Im Sommer 2005 wurde im Auftrag des AKTX – Pflege e.V. eine Befragung des Pflegepersonals mittels eines standardisierten Fragebogens zur Infektionsprophylaxe nach Organtransplantation an insgesamt 44 Transplantationszentren, mit unterschiedlichen Fachdisziplinen, wie Urologie; Viszeralchirurgie; Herzchirurgie; Kinderherzchirurgie; Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie; sowie Pädiatrie in Deutschland durchgeführt. Ziel der Befragung war hierbei die Erhebung des Status Quo zum Umgang mit den Aspekten Isolation; Körper- und Mundpflege sowie der oralen Ernährung in Bezug auf die Infektionsprophylaxe. Im Vordergrund stand dabei die Darstellung eventueller Unterschiede und möglicher Begründungen hierfür im Umgang mit den genannten Items.

1. Ausgangssituation
Die Idee zu diesem Projekt entstand durch die immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen und Diskussionen zu dieser Thematik. Hierbei wurde besonders oft der „Sinn und Zweck“ von Isolationsmaßnahmen sowie deren Durchführung bei transplantierten Patienten seitens der Pflegekräfte im Rahmen ihrer täglichen Arbeit hinterfragt. Diese Auseinandersetzung fand auch im Dialog mit den Ärzten sowie im Austausch auf den jährlichen Symposien des AKTX statt. 2. Durchführung Insgesamt erstreckte sich die Befragung über fast sechs Monate. Dabei nahm die Entwicklung des Fragebogens von der Idee bis zur Fertigstellung einen Zeitraum von ca. 8 Wochen in Anspruch, danach erfolgte ein Pretest in zwei Kliniken. Verschickt wurden insgesamt 186 Fragebögen. Dabei gingen jeder Fachdisziplin zwei Fragebögen gleichen Inhalts zu, unterteilt nach Intensiv- und Normalstation. Der Rücklauf erfolgte anonym und lag bei etwas mehr als 50% wovon jedoch ca. 10% nicht gewertet werden konnte. Insgesamt flossen 82 Fragebögen in die Wertung ein. Der deutlich überwiegende Rücklauf kam aus den kleineren Zentren mit 5-25 Transplantationen im Jahr. Im Anschluss fand eine quantitative, als auch qualitative Auswertung der Fragebögen statt.

3. Auswertung
Der gewünschte Aspekt der Anonymität beim Rücklauf der Fragebögen hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Daten. Dies führte u.a. dazu, dass die Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe innerhalb einer Klinik, d.h. zwischen Intensivstation und der Normalstation nicht miteinander verglichen werden konnten, ebenso entfiel dadurch ein direkter Vergleich zwischen einzelnen Transplantationszentren.

3.1 Protektive Isolation
Isolationsmaßnahmen wurden auf den Intensivstationen in ca. 75 % der Fälle durchgeführt und zwar fast grundsätzlich ohne Angaben von speziellen Gründen. Auf den Normalstationen lag die Isolationsrate bei nur ca. 50% der Patienten und davon erfolgte diese bei ca. 25% ohne Differenzierung nach bestimmten Kriterien. In die weiteren Aussagen beziehen sich auf beide Bereiche (Intensiv – Normalstation). Bei ungefähr 30 % der isolierten Patienten erstreckte sich der Isolationszeitraum über die gesamte Dauer des stationären Aufenthaltes. In ca. 10% der Fälle wurde der Zeitraum auf 2 Wochen begrenzt. Untergebracht wurden die Patienten fast immer in einem Einzelzimmer, selten in Form einer Kohorte, i.d.R. nach Erregerspektrum differenziert. Als „Einzelmaßnahmen zur Isolation“ wurde am häufigsten die separate Händedesinfektion vor Betreten des Zimmers sowie die Kombination der Händedesinfektion mit dem Tragen eines unsterilen Kittels und des Anlegen eins Mundschutzes genannt. In etwas mehr als 50% der gemachten Aussagen, existieren schriftlich fixierte Standards zur Anwendung von Isolationsmaßnahmen, die in Einzelfällen schon einmal hausintern durch die Hygieneabteilung überprüft wurden. Eine wissenschaftlich fundierte Überprüfung der Wirksamkeit dieser Maßnahmen erfolgte nicht.

3.2 Infektionsprophylaxe bei der Körperpflege
Die am häufigsten genannte Maßnahme zur Infektionsprophylaxe bei der Körperpflege ist der Einsatz eines Legionellenfilters vor den Wasserhähnen, gefolgt von der Anwendung Keim reduzierender Zusätze. Häufig wird beides auch kombiniert angewendet. Zu Grunde liegt dieser Vorgehensweise i.d.R. die Kontrolle der jeweiligen
Hygieneabteilung des Hauses. Die Richtlinie bildet hier der allgemeine
Hygieneplan.

3.3 Infektionsprophylaxe bei der Mundpflege
Zu den „Spitzenreitern“ der Infektionsprophylaxe bei der Mundpflege zählen die Anwendung von oralen Antimykotika, sowie der regelmäßige Gebrauch von Rachendesinfektionsmitteln. In den überwiegenden Zentren wurden diese Anwendungsmöglichkeiten nicht auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

3.4 Infektionsprophylaxe bei der oralen Ernährung
Ungefähr 20% der Zentren bieten ihren Patienten eine besondere Kost an bzw. streichen bestimmte Lebensmittel vom Speiseplan. Besonders empfohlen wird hierbei der Verzicht auf rohes Fleisch und Fisch sowie Nüsse und Schimmelkäse. Auch den Verzehr von Eiern schränken einige Zentren auf Grund der allgemeinen Gefahr einer Salmonellenvergiftung ein. Die meisten verzichten jedoch auf besondere Einschränkungen bestimmter Nahrungsmittel.

4. Resümee
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Spannbreite bei der Ergreifung bzw. dem Unterlassen von Maßnahmen zur Infektionsprophylaxe bei transplantierten Patienten enorm groß ist und diese, wenn angewendet, relativ willkürlich erfolgen. Es ist in keinem Fall, ob nun Ergreifen oder aber Unterlassen und auch bei der Auswahl, ein wirklich fundiertes „evidenzbasiertes“ Vorgehen zu erkennen. Im Hinblick zum einen auf das Outcome der Patienten und zum anderen auch auf die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen, sollten diese doch überwiegend willkürlich erscheinenden und zum Teil sehr differenten Vorgehensweisen einmal auf ihre Effektivität sowie Effizienz, als auch auf ihre „Sinnhaftigkeit“ hin untersucht werden.

Antje Stöver
Lehrerin für Pflegeberufe, Ltg. der Fachweiterbildung Intensiv - und Anästhesiepflege der MHH - Hannover, Studium "Pflegemanagement"
HFH - Hamburger Fern Hochschule); Bernwardstr. 37, D-30519 Hannover
E-mail: antjestoever@aol.com

    19.10.2006