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Perioperative Patientenbetreuung Was erwartet der Patient?
Jutta Riemer
Problem und Fragestellung
Die Ereignisse rund um eine Operation stellen für viele Patienten eine physische und psychische Extremsituation dar. Diese Erfahrung konnte ich selbst machen (seit über 9 Jahren Leber transplantiert, mehrere Operationen vor und nach Ltx). Ergänzendes konnte ich bei Patientengesprächen im Rahmen der ehrenamtlichen Tätigkeit für die Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland e.V. (Bundesweit tätiger Patientenverband für Wartepatienten, Lebertransplantierte und Angehörige) erfahren. Folgende Fragestellungen ergaben sich:
- Inwiefern realisieren die Patienten die speziellen Aufgaben und Angebote des Anästhesisten in Abgrenzung zu denen des Pflegepersonals und der Chirurgen?
- Inwieweit sind die Patienten mit der Betreuung rund um die Operation zufrieden?
- Welche Defizite empfinden die Patienten in der perioperativen
Betreuung?
- Wie kann die Betreuung im perioperativen Patientenkontakt
optimiert werden?
- Inwiefern kann sich diese Optimierung aufden OP-Erfolg auswirken?
Methode
Die Eigenerfahrungen wurden ergänzt durch die Beobachtung einiger
Anästhesievorgespräche, Interviews und den Ergebnissen einer schriftlichen Patientenbefragung von (meist) Ltx-Patienten (55 Rückläufer von 130 Fragebögen)
Ergebnisse
Die Bedeutung des anästhesistischen Vorgesprächs wird hoch eingeschätzt. Die Zufriedenheit übertrifft noch die zunächst angesetzte Benotung für die Bedeutung. Folgende Themen wurden der Reihenfolge nach für besonders wichtig im anästhesistischen Vorgespräch genannt:
Ablauf der Narkose, Komplikationen der OP, Vorgänge auf
der Intensivstation, Aufwachen, Probleme durch die Narkose, Lagerung.
Besonders bedeutsam ist für viele Patienten die Berücksichtigung emotionaler Bedürfnisse. Retrospektiv hatten mehreren Patienten Informationen zum Durchgangssyndrom und zu Nachwirkungen der Narkose gefehlt. Es stellte sich heraus, dass für die meisten Patienten der Lärm auf der Intensivstation und das Durchleben des Durchgangssyndroms besonders belastend war, für die wenigsten die Angst vor den unbekannten Geräten.
Konsequenzen
Die emotional hoch belasteten Patienten auf der Intensivstation und deren Angehörige bedürfen einer besonderen psychologischen Betreuung und haben einen speziellen Informationsbedarf. Eine durchgehende, frühzeitige Aushändigung einer schriftlichen Information an die Patienten (Tätigkeitsbereich des Anästhesisten, Ablauf der Narkose, der OP, deren potenzielle Risiken und Nachwirkungen, Abläufe auf der Intensivstation nach dem Aufwachen etc.) könnte die Effektivität der perioperativen Gespräche, den Abbau von Ängsten und die Transparenz bzgl. der Tätigkeitsfelder des Anästhesisten, der Chirurgen, des Pflegepersonals im Vorfeld optimieren und die Eigenverantwortung des Patienten verbessern. Verwirrende Wiederholungen von Gesprächsinhalten (Chirurg, Anästhesist, Pflege) könnten so eher vermieden werden. Die Intimsphäre des Patienten schützende Einzelgespräche, wären wünschenswert und im Hinblick auf die Vollständigkeit der Angaben für den Anästhesisten hilfreich. Postoperative Visiten des Anästhesisten beim wachen Patienten sollten die Regel sein. Die Eigenverantwortung des Patienten sollte durch geeignete Maßnahmen -auch schon im Vorfeld- gestärkt und eingefordert werden.
Quellen
www.herzzentrum.de/MEDIA/PDF/Vortrag-Word-BORN.pdf
www.marienhospital-bonn.de
www.klinikum-Braunschweig.de
Jutta Riemer
Vorsitzende Selbsthilfe Lebertransplantierter Deutschland e.V., Maiblumenstraße
12, D-74626 Bretzfeld
E-mail: jutta.riemer@gmx.net
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