Pflegeforschung – Forschung in der Pflege

Dorothee Lamann

Forschung im medizinischen Bereich beschränkt sich nicht auf Arbeiten von Wissenschaftlern und Ärzten. Auch in der Pflege findet Forschung statt. Bekannt sind Arbeiten auf wissenschaftlicher Basis: im Management, während des Studiums und im Rahmen einer Dissertation. Weniger bekannt sind sogenannte praktische Forschungsvorhaben. Sie dienen dazu, Themen aus der Praxis zu beleuchten, Arbeitsabläufe zu optimieren und zur Lösung von Problemen beizutragen. Unter der Prämisse „Glauben ist nicht Wissen“ bestätigt Forschung die Richtigkeit von Hypothesen oder widerlegt diese. So können Zusammenhänge verdeutlicht, Standards erstellt und Arbeitsabläufe angepasst werden. Sie dient nicht nur der Klärung eines einzelnen Sachverhaltes. Durch Quernutzung werden Verbindungen zu weiteren Themen und Fragen hergestellt. Nicht zuletzt wird Forschung als Instrument sowohl von Wissenschaftlern als auch von Nichtwissenschaftlern akzeptiert und anerkannt. Um Forschungsvorhaben effizient und zielorientiert durchführen zu können, müssen die Rahmenbedingungen bekannt sein. Nur wer mit den Grundlagen und Standards von „Studien“ vertraut ist, ist auch in der Lage dies zu tun. Hierzu gehört zuerst das Wissen um die Unterschiede zwischen sogenannten „Medikamentenstudien“ und „Pflegestudien“, wobei erstere sich auf die klinische Prüfung von Wirkstoffen beziehen. Pflegestudien dagegen bezeichnen die Forschungsvorhaben in der Pflege. Vorraussetzung für die Umsetzung eines Forschungsvorhabens ist die Beherrschung der Methodik. Diese umfasst das Formulieren der Forschungsfrage, der Hypothese, das Abstecken des zeitlichen und materiellen Rahmens, die Standardisierung von Messungen und Untersuchungen, die Festlegung der vorgesehenen Zielgruppen, die Erstellung von Fragebögen und das Vorgehen bei Literaturrecherchen. Besondere Sorgfalt verlangt die Einhaltung des Datenschutzes. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Dieser ethische Grundsatz muss über allem Handeln stehen! Die so gewonnen Erkenntnisse sollten zeitnah ausgewertet werden, hierbei sollen auch unerwartete Ergebnisse berücksichtigt. werden. Den Abschluss bildet das Resumeé: Schlussfolgerungen ziehen und daraus Konsequenzen ableiten. Sollen die Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden, wird für die Übernahme bzw. Umsetzung ein Forderungskatalog formuliert und dieser allen Beteiligten vorgestellt. Nicht zuletzt ermöglicht ein gefälliges Design der schriftlichen Auswertung eine ansprechende Präsentation. Diese wiederum bietet die Vorraussetzung für eine gelungene Vorstellung im Team, bei den jeweiligen Vorgesetzten und schließlich auch für die Veröffentlichung in Fachzeitschriften. Krankenpflegepersonal allgemein, ob im Krankenhaus, in der ambulanten Pflege oder in Arztpraxen tätig, sollte in der Lage sein, Forschungsvorhaben in die Tat umzusetzen und wissen, dass es hierzu keines Hochschulstudiums bedarf. Abgesichert durch die korrekte Einhaltung der Rahmenbedingungen, können Pflegende Forschungsvorhaben in ihrem persönlichen Arbeitsbereich planen, durchführen, auswerten und die Ergebnisse sachlich untermauert präsentieren. So bietet sich eine Plattform, Pflege im eigenen Umfeld aktiv zu verändern und (mit-) zu gestalten.

Dorothee Lamann
Krankenschwester und Studienkoordinatorin, Klinik und Poliklinik für allgemeine Chirurgie, Universitätsklinikum Münster, Waldeyerstraße 1,
D-48149 Münster
E-mail: lamannd@mednet.uni-muenster.de

    19.10.2006